Rhetorik-Check: Markus Söder, Rede zum politischen Aschermittwoch

14 Februar
2018

Was macht eine gute Aschermittwochsrede aus?

Worauf achtet ein politischer Redner, der bei seinem Auftritt am politischen Aschermittwoch für Stimmung sorgen will? Die radioWelt von Bayern 2 sprach darüber mit Frank Hartmann. Er ist Geschäftsführender Gesellschafter der Hartmann Rhetorik GmbH und berät Kunden aus Politik und Wirtschaft.

Von: Imke Köhler

radioWelt: Was macht generell eine gute Aschermittwochsrede aus?

Frank Hartmann: Eine gute Aschermittwochsrede lebt vom Angriff auf den politischen Gegner. Natürlich muss auch der Herr Söder angreifen – nur wird das gar nicht so einfach sein, denn wen soll er angreifen? Da müssen wir den richtigen Kandidaten erstmal ausmachen.

radioWelt: Den richtigen Kandidaten ausmachen, das ist mal das eine, nun könnte er sich natürlich die SPD aussuchen, das wäre ja naheliegend, aber es ist immer so ein Vabanque-Spiel: Auf der einen Seite beißend zu sein und eine Attacke zu reiten und gleichzeitig aber auch witzig. Gibt es dafür eine Faustformel, um diese Mischung zu treffen?

Frank Hartmann: Das ist genau der Punkt. Witzig ist, was überraschend ist, womit die Menschen nicht sofort gerechnet haben. Der Witz lebt also ein Stückchen vom Tabubruch, von der Überraschung, von der erhellenden Erkenntnis, die uns ein bisschen erschauern lässt, eine Wahrheit offenbart oder vielleicht auch etwas zeigt, was wir gefühlt haben, aber noch nicht in eigene Worte fassen konnten.

radioWelt: Das klingt relativ kompliziert – das heißt, das braucht eher Vorbereitung als dass man das spontan machen könnte, oder?

Frank Hartmann: Ja, das haben schon die großen Redner früher charmant formuliert: Churchill sagte einmal: ‚Am meisten Vorbereitungszeit brauchen meine spontan gehaltenen Reden‘.

radioWelt: Jetzt ist es ja noch einmal etwas ganz anderes auf einer Sitzung einer Konferenz zu sprechen oder in so einer Bierzeltatmosphäre. Gelten da nochmal ganz besondere Regeln?

Frank Hartmann: Richtig. Zunächst ist ja der politische Aschermittwoch in Passau der größte Stammtisch der Welt. Und hier gilt es ganz besonders für den Redner, sich mit den Menschen zu verbinden. Man könnte sich ja die Rede sogar schreiben lassen. Von einem Kabarettisten. Helmut Schmidt zum Beispiel, der auch nicht unbedingt als der Humorvollste immer bekannt war, hatte sich mal im Wahlkampf Dieter Hallervorden als Gagschreiber gebucht. Das könnte Söder auch machen. Aber Gags müssen auch – das kennen wir aus den Karnevalssitzungen – gut gehalten werden. Die Pointe muss sitzen. Man braucht hierfür ein Gespür – das richtige Gespür, sich in der Pause mit den Gedanken der Zuhörer zu befassen. Die Pause muss man also aushalten.  Söder kann das durchaus. Er hat Mitte Dezember letzten Jahres gezeigt, wie das geht, nämlich zum CSU-Parteitag am 16. Dezember.

radioWelt: Hat das denn Ihrer Meinung nach eine Bedeutung, dass Söder nun als Franke in Passau spricht? Sollte er seinen Dialekt einsetzen – oder das dann doch gerade nicht tun?

Frank Hartmann: Ich gucke gerade sehr viele dieser Karnevalssitzungen, und die leben natürlich vom Dialekt. Ich kann mir keine Karnevalssitzung in Mainz, in Köln oder dann auch zum politischen Aschermittwoch in Passau vorstellen, ohne, dass man ein bisschen diese Heimatverbundenheit, diesen Dialekt auch durchhört. Hier ist gerade eine Kraftquelle für den Witz, für den Humor und für die Verbindung zu den Leuten im Saal gegeben. Und das wird der Söder ausnutzen. Er soll also bitteschön nicht sein Fränkisch weglassen, im Gegenteil: Er kann es ruhig ein bisschen mehr praktizieren und raushängen lassen, das muss so sein. Das ist Volksverbundenheit, das passt auch.

radioWelt: Damit wird er sich in jedem Fall dann schon unterscheiden von Stoiber und Seehofer – und Söder will sich ja auch von seinen Vorgängern unterscheiden. Was könnte er noch anders machen?

Frank Hartmann: Er müsste natürlich seinen eignen Stil finden. Natürlich hat den jeder Redner sowieso. Und jeder Redner, der in eine neues politisches Amt hineinwächst, muss diesen eigenen Stil noch ein wenig suchen, auch ausprobieren. Der Söder – zumindest beim CSU-Parteitag Mitte Dezember – kam bei den Delegierten gut an. Er hat die Seele der Partei getroffen, er hat für viele das Gefühl, dass Bayern besser ist als andere, gut formuliert, er hat das Stolzsein auf das Heimatland sehr gut verkörpert. Er kann das auch als Franke. Das haben ihm am Anfang nicht so viele zugetraut, und das sollte er zum politischen Aschermittwoch auch weiter ausbauen und als Franke die bayerischen Volksstämme erobern, verbinden und ausrichten auf den politischen Gegner – die politischen Gegner, die er dann formuliert und findet.

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